Ausdauertraining und Herzgesundheit
Warum regelmäßiges Cardio-Training der Schlüssel zu einem längeren, gesünderen Leben ist und wie Sie optimal trainieren
"Bewegung ist Medizin" – dieses Zitat könnte kaum treffender sein. Ausdauertraining (auch: aerobes Training oder Cardio) zählt zu den wirksamsten Interventionen für ein langes, gesundes Leben. Unzählige Studien belegen: Regelmäßige kardiovaskuläre Aktivität senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verbessert die metabolische Gesundheit und verlängert die Lebenserwartung um Jahre.
In diesem Artikel beleuchten wir die wissenschaftliche Evidenz zu Ausdauertraining, erklären die zugrunde liegenden Mechanismen und geben konkrete, evidenzbasierte Trainingsempfehlungen für verschiedene Altersgruppen.
Medizinischer Hinweis: Die hier bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt. Mehr erfahren
Was ist Ausdauertraining?
Ausdauertraining bezeichnet körperliche Aktivitäten, die über einen längeren Zeitraum mit moderater bis hoher Intensität durchgeführt werden und das Herz-Kreislauf-System beanspruchen. Typische Beispiele sind:
Formen des Ausdauertrainings
- Laufen/Joggen: Klassisches Ausdauertraining, gut dosierbar
- Radfahren: Gelenkschonend, für alle Altersgruppen geeignet
- Schwimmen: Ganzkörpertraining ohne Gelenkbelastung
- Zügiges Gehen/Nordic Walking: Niedrigschwelliger Einstieg
- Rudern: Kombination aus Ausdauer und Kraft
- Tanzen, Aerobic, Zumba: Sozial und motivierend
Entscheidend ist: Die Aktivität sollte die Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum erhöhen und regelmäßig praktiziert werden. Die WHO empfiehlt Einheiten von mindestens 10 Minuten Dauer, wobei längere Einheiten (20-30 Minuten) noch effektiver sind.
Die Wissenschaft: Was belegen Studien?
Reduzierte Gesamtmortalität
Eine bahnbrechende Studie von Lee et al. (2014) mit über 55.000 Teilnehmern zeigte: Bereits 5-10 Minuten Laufen pro Tag (auch in langsamem Tempo!) können die Gesamtmortalität um 30% und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um 45% senken [1].
Die Effekte waren bemerkenswert konsistent – unabhängig von Alter, Geschlecht, BMI oder Raucherstatus.
Kardiorespiratorische Fitness als Prädiktor
Die kardiorespiratorische Fitness (gemessen als VO2max – maximale Sauerstoffaufnahme) gilt als einer der stärksten Prädiktoren für Lebenserwartung. Eine 2018 veröffentlichte Studie mit über 122.000 Teilnehmern fand [2]:
- Personen mit der höchsten Fitness hatten ein 80% niedrigeres Sterberisiko im Vergleich zur untrainiertesten Gruppe
- Der Zusammenhang war linear: Je fitter, desto länger die Lebenserwartung
- Es gab keine obere Grenze – selbst Elite-Athleten profitierten noch
150 Minuten pro Woche als Minimum
Die PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology) mit 130.000 Teilnehmern aus 17 Ländern bestätigte die WHO-Empfehlung von mindestens 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche [3]:
- 750 MET-Minuten/Woche (entspricht etwa 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Aktivität) reduzierten das Sterberisiko um 20-30%
- Noch mehr Bewegung brachte zusätzlichen Nutzen – bis zu etwa 3000 MET-Minuten/Woche
Bewegungsmangel als Risikofaktor
Mangelnde Bewegung ist laut Booth et al. (2012) eine Hauptursache für chronische Erkrankungen [4]:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (35% attributables Risiko)
- Typ-2-Diabetes
- Bestimmte Krebsarten (Brust-, Darmkrebs)
- Demenz und kognitive Beeinträchtigungen
- Depression und Angststörungen
Wie wirkt Ausdauertraining auf den Körper?
1. Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems
Regelmäßiges Training vergrößert das Herzvolumen, senkt die Ruheherzfrequenz und verbessert die Pumpfunktion. Das Herz arbeitet effizienter und wird weniger belastet.
2. Verbesserung der Gefäßgesundheit
Ausdauertraining fördert die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese), verbessert die Endothelfunktion und erhöht die Gefäßelastizität. Blutdruck und Cholesterinwerte verbessern sich.
3. Optimierung des Stoffwechsels
Die Insulinsensitivität steigt, Blutzuckerwerte normalisieren sich. Die Mitochondrien (Zellkraftwerke) werden effizienter und vermehren sich – ein Schlüsselfaktor für Langlebigkeit.
4. Entzündungshemmung
Chronische niedriggradige Entzündungen (Inflammaging) sind ein Haupttreiber des Alterns. Ausdauertraining reduziert Entzündungsmarker wie CRP und IL-6.
5. Neuroprotektive Effekte
Cardio-Training fördert die Ausschüttung von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), einem Wachstumsfaktor für Nervenzellen. Dies schützt vor kognitivem Abbau und Demenz.
Praktische Trainingsempfehlungen
WHO-Richtlinien für Erwachsene (18-64 Jahre)
Mindestempfehlung:
- 150-300 Minuten moderate Intensität pro Woche (z.B. zügiges Gehen, Radfahren in der Ebene)
- oder
- 75-150 Minuten hohe Intensität pro Woche (z.B. Joggen, Schwimmen)
- oder
- Eine äquivalente Kombination beider Intensitäten
Intensitätszonen richtig wählen
Eine einfache Methode zur Intensitätssteuerung ist der "Talk Test":
- Moderate Intensität: Sie können noch sprechen, aber nicht mehr singen (60-70% der maximalen Herzfrequenz)
- Hohe Intensität: Sie können nur kurze Sätze sprechen (70-85% der maximalen Herzfrequenz)
Beispiel-Wochenplan für Einsteiger
- Montag: 30 Min. zügiges Gehen
- Mittwoch: 20 Min. Radfahren (moderate Intensität)
- Freitag: 25 Min. Schwimmen
- Samstag: 40 Min. Spaziergang oder Wanderung
- = 115 Minuten moderate Aktivität (guter Start!)
Für Fortgeschrittene: Intervalltraining
Hochintensives Intervalltraining (HIIT) kann in kürzerer Zeit ähnliche oder sogar bessere Effekte erzielen als moderates Ausdauertraining. Beispiel:
- 4x 4 Minuten hohe Intensität (z.B. schnelles Laufen)
- Jeweils 3 Minuten aktive Erholung dazwischen
- 2-3x pro Woche
Besonderheiten im höheren Alter (65+)
Auch im höheren Alter ist Ausdauertraining essentiell und sicher – mit einigen Anpassungen:
- Langsamer Einstieg: Bei Trainingspausen erst ärztlich abklären
- Gelenkschonende Aktivitäten: Schwimmen, Radfahren, Walking bevorzugen
- Gleichgewichtstraining integrieren: Sturzprävention
- Höre auf deinen Körper: Ausreichend Regeneration
Studien zeigen: Selbst bei einem Start mit 70+ Jahren sind signifikante Verbesserungen der kardiovaskulären Gesundheit und Lebensqualität möglich [5, 7].
Fazit: Investition in ein längeres Leben
Ausdauertraining ist eine der wirksamsten, kostengünstigsten und nebenwirkungsärmsten Interventionen für Langlebigkeit und Lebensqualität. Die Evidenz ist überwältigend: Bereits moderate Aktivität von 150 Minuten pro Woche kann das Sterberisiko um 20- 30% senken.
Der Schlüssel zum Erfolg: Regelmäßigkeit. Finden Sie eine Aktivität, die Ihnen Freude bereitet, und integrieren Sie sie fest in Ihren Alltag.
Kernaussagen
- ✓ 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Aktivität/ Woche als Minimum
- ✓ Bereits 5-10 Minuten Laufen täglich senken Mortalität um 30%
- ✓ Kardiorespiratorische Fitness (VO2max) ist stärkster Prädiktor für Lebenserwartung
- ✓ Positive Effekte auf Herz, Stoffwechsel, Gehirn und Entzündungen
- ✓ Keine Obergrenze – mehr ist (bis zu einem Punkt) besser
- ✓ Auch im höheren Alter hocheffektiv und sicher (mit Anpassungen)
Kombiniert mit Krafttraining, gesunder Ernährung und weiteren Longevity-Maßnahmen bildet Ausdauertraining das Fundament für ein langes, vitales Leben.
Medizinischer Hinweis
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine fachliche Beratung durch Ärzt*innen oder andere Angehörige eines Gesundheitsberufs.
Kein Heilversprechen: Wir geben keinerlei Heilversprechen ab und können keine Garantie auf Erfolg, Heilung oder Wirkung übernehmen.
Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Gesundheit wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachperson.
Quellenangaben
Lee, D. C., et al. (2014). Leisure-Time Running Reduces All-Cause and Cardiovascular Mortality Risk. Journal of the American College of Cardiology, 64(5), 472-481.
Mandsager, K., et al. (2018). Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality Among Adults Undergoing Exercise Treadmill Testing. JAMA Network Open, 1(6), e183605.
Lear, S. A., et al. (2017). The effect of physical activity on mortality and cardiovascular disease in 130,000 people from 17 high-income, middle-income, and low-income countries. The Lancet, 390(10113), 2643-2654.
Booth, F. W., Roberts, C. K., & Laye, M. J. (2012). Lack of exercise is a major cause of chronic diseases. Comprehensive Physiology, 2(2), 1143-1211.
Pedersen, B. K., & Saltin, B. (2015). Exercise as medicine – evidence for prescribing exercise as therapy in 26 different chronic diseases. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 25(S3), 1-72.
Blair, S. N., et al. (1995). Changes in Physical Fitness and All-Cause Mortality. JAMA, 273(14), 1093-1098.
Lavie, C. J., et al. (2019). Exercise Training and Cardiac Rehabilitation in Primary and Secondary Prevention of Coronary Heart Disease. Mayo Clinic Proceedings, 84(4), 373-383.
Über den Autor

Stephan Buttgereit
Dipl. Oecotrophologe (Ernährungswissenschaftler)
Stephan Buttgereit ist Diplom-Oecotrophologe mit Schwerpunkt Ernährungswissenschaft und Prävention. Sein sportliches Mindset – geprägt durch sein Engagement als Jugendhandballtrainer – verbindet er mit wissenschaftlich fundiertem Wissen über Bewegung und gesundes Altern. Seine Arbeit konzentriert sich auf evidenzbasierte Gesundheitsstrategien zur Förderung von Langlebigkeit. Alle Inhalte werden auf Basis aktueller wissenschaftlicher Literatur erstellt und durch Fachexperten geprüft.
Fachlich geprüft von: Fachliche Prüfung ausstehend, Medizinischer Review durch Sportmediziner geplant
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